Mag. Marlene Kaes Bakk.techn.
Praxis für Klinische und Gesundheitspsychologie, Psychotherapie, Supervision und Coaching

Wie aus Elektras und meiner Geschichte eine gemeinsame Geschichte wurde


Vorgeschichte - lange vor ich von der Existenz der Thailand Ridgebacks wusste...
Ende November 2019 war ich mit meiner Katze Schniefi beim Tierarzt, weil sie ein paar kahle Stellen hatte. Zuerst keine allzu schlimme Diagnose, sie musste Cortison nehmen, dann würde es sich bessern. Ein paar Tage und eine Knieverletzung später mussten wir wieder (aber) zu einem anderen Tierarzt, der die richtigen Untersuchungsgeräte hatte. Eine OP war nötig - vorher allerdings musste Schniefi noch runter vom Cortison, damit sie operiert und noch einmal biopsiert werden konnte. Danach kam das vernichtende Urteil – maligner Epitheliotropes Lymphom. Die Botschaft vom Tierarzt: „Nur noch Wochen, aber es gibt die Möglichkeit einer Chemotherapie, der ihr Leben verlängert, den Krebs aber nicht heilt.“ (Heute weiß ich, dass Cortison solche Untersuchungsergebnisse noch ein Monat nach Ende der Einnahme verändern kann, damals nicht.)
Völlig geschockt und verzweifelt verließ ich den Tierarzt und versuchte die Informationen zu verarbeiten. Es gab einen anderen Tierarzt dem ich vertraute, weil wir Jahre lang bei ihm waren und erst gewechselt hatten, als wir umgezogen sind, also rief ich ihn an. Was sollte ich machen? Chemo und Leben verlängern, dafür aber Schniefi, die Tierärzte hasste und völlig gestresst war, regelmäßig dieser Situation aussetzen oder keine Chemo und ihr dafür einen friedlichen Lebensabend ermöglichen, dafür aber weniger gemeinsame Zeit haben?
Letzten Endes entschied ich mich für Letzteres, den friedlichen Lebensabend und die Zeit so gut wie möglich zu genießen. Dabei half mir dann Corona, weil ich so viel Zeit hatte bei ihr zu sein.
Nun Schniefi war noch lange nicht bereit zu sterben. Sie hat tatsächlich bis März 2025 gelebt, als sie stolze 16,5 Jahre alt war. Mit immer wieder kritischen Phasen,  ABER auch mit einem klaren Lebenswillen. Man kann nun natürlich streiten, ob Tiere uns verstehen bzw. wir sie, aber ich denke auf einer intuitiven Ebene ist weit mehr möglich, als unsere Wissenschaft bis heute messen kann.
Jedenfalls habe ich ihr gesagt, dass sie mir zeigen soll, in dem sie zu fressen aufhört, wenn sie nicht mehr leben kann oder möchte. Was meine Katze mit einem bösen Blick quittiert hat, einem Aufstehen und zum Futter gehen und mich demonstrativ ansehen – das hat sie dann einige Wochen durchgezogen jedesmal wenn ich das Zimmer betreten hab. Ja, Schniefi war ein ganz eigener Charakter….
So kam es, dass ich mich damit befassen musste, dass Schniefi eines Tages nicht mehr da sein würde. Wie sollte es dann weitergehen? Ich wollte wieder ein Tier, aber damals konnte ich mir nicht vorstellen noch einmal eine Katze zu nehmen. Da ich damals schon gern spazieren gegangen bin und mir Schniefi auf den Ausflügen fehlte, war es naheliegend an einen Hund zu denken. Ich hatte vorher noch keinen eigenen Hund, aber ich war mit Hunden aufgewachsen – meine Großeltern hatten welche, meine Tante, die hatte sogar mal einen schwierigen Hund – und ich wusste, dass ich eine besondere Verbindung zu Tieren habe.
Also ein Hund. Mein erster Gedanke war nach Schniefis Tod einen American Staffordshire Terrier zu adoptieren. Einen Nanny-Dog, den ich dann zum Therapie-Hund ausbilden wollte. Um das zu können, habe ich YouTube rauf und runtergesurft und alle Hunde Trainingsvideos angesehen, die ich finden konnte. Ich merkte schnell, dass mir manche Trainings interessant und wirkungsvoll erschienen, während ich bei anderen wusste, dass das nicht meins wäre. So reduzierte ich das Angebot interessanterweise vor allem auf Trainer, die mit Problemhunden arbeiteten und konnte mehrere Jahre nicht genug davon bekommen. Bis….



Wie ich auf den Thailand Ridgeback kam…
Eines Tages war ich wieder einmal im Wald unterwegs - auf meinem Lieblingsweg. Da kam eine Dame vorbei mit einem Hund – einem schwarzen. Ich fragte, ob ich ihn begrüßen dürfte und sie erlaubte es. Dann fragte ich, ob das ein Amstaff Mischling sei, weil ich die Kopfform ähnlich fand, was sie verneinte - das sei ein Thailand Ridgeback. Wir haben noch ein bisschen geplaudert und währenddessen stand er still da und ließ sich streicheln. Er schaute mir direkt in die Augen, was ich ungewöhnlich fand und ja auch zu vermeiden versuchte (hatte ich ja gelernt), aber dann doch zuließ – es war als würde er mir in die Seele sehen. Leider habe ich vergessen nach seinem Namen zu fragen. 

Als ich zuhause war, musste ich erst Mal weinen – es war, als hätte er tief in mir etwas berührt, das sich nun zeigen durfte. Da wusste ich, das ist die Rasse, die ich in meinem Leben haben wollte. Und so klemmte ich mich hinter den Computer und suchte nach Informationen – auch nach Züchtern – wo ich schnell feststellte, dass es in Österreich keine gibt. Also Deutschland. Da gibt es ein paar, aber alle sehr weit weg. Und so kann ich auf die Royal Williwaw’s und die Züchterin, Nina Fischer. Ich surfte durch die Seite und dann stieß ich auf Solas Bild. Da war sie wieder diese Berührung und ich wusste sofort, am liebsten will ich einen Hund von dieser Hundedame. Dass sie ein Champion war und wunderschön, war da gar nicht ausschlaggebend, da ich von solchen Dingen nicht sehr viel wusste. Ich habe ihr Foto angesehen und dasselbe gespürt, was ich auch bei dem Hund gespürt hatte. Gesagt getan, kontaktierte ich die Züchterin und fragte, ob es möglich sei, einen Welpen von ihr zu bekommen, allerdings erst nach dem Tod meiner Katze (eine äußerst merkwürdige Anfrage, das ist mir bewusst, aber was sollte ich machen). 

Erst später brachte mich eine Bekannte auf die Idee, dass ich mir den Hund bereits zu Schniefis Lebzeiten holen könnte. Gesagt, getan „besprach“ ich die Idee mit Schniefi und sehr zu meiner Überraschung schien sie nichts dagegen zu haben (keine bösen Blicke, keine Aktionen, die ihre Verachtung meinerseits ausdrückten,…).
Die Züchterin der Royal Williwaw‘s lud mich zu einem Kennenlern-Spaziergang ein. Die „Hauptperson“ damals war Quinn – eine wunderschöne Hündin, die zu dem Zeitpunkt bereits erste Schwangerschaftsanzeichen hatte. Damals wollte ich unbedingt ein Männchen, das Osiris hätte heißen  sollen. Bald stellte sich heraus, dass Quinn tatsächlich schwanger war und ich war sehr aufgeregt, denn im Hinterkopf hatte ich immer noch Sola und den nächsten geplanten Wurf, aber jetzt kam nun mal Quinns Wurf und dann war es halt Schicksal – dachte ich… den das Schicksal wollte es anders. 

Zuerst verpasste ich die Geburt – der G-Wurf erblickte an einem Samstag das Licht der Welt und ausgerechnet am Samstag hatte ich damals immer das Handy aus. Als ich das Handy wieder einschaltete, war es gewiss – ich hatte tatsächlich die Geburt verpasst. Es waren 4 schwarze Weibchen und ein isabella farbenes Männchen. Osiris? Man wusste es nicht, es gab noch eine zweite Interessentin und wie das Leben so spielt, hatte ich mit Schniefi einen Kontrolltermin beim Tierarzt vereinbart- als ich der Tierärztin die Symptome schilderte, tippte sie auf Diabetes, was ein Bluttest bestätigte, wie mir die Tierärztin am Samstag darauf mitteilte. Sie meinte, ich solle gleich mit Diät Nahrung beginnen und mit den Spritzen würden wir dann beim Termin am Dienstag beginnen. Tja, Diät-Nahrung - nicht mit Schniefi. Sie ging in den Futterstreik und hatte sich dadurch bis zum Dienstag so dermaßen destabilisiert, dass nicht klar war, ob sie sich überhaupt wieder erholen würde. Aber Schniefi wollte leben und so hat sie auch das überstanden. Nun musste ich lernen, wie man Blutzucker misst bei Katzen, wie man Diabetes Spritzen gibt, alles gemeinsam eine Herausforderung für mich, die mich schließlich gegen den G-Wurf bzw. Osiris entscheiden ließ und ich mich entschied auf den nächsten Wurf zu warten. Schniefi hat bei all den Prozeduren erstaunlich gut mitgearbeitet und war weitestgehend kooperativ, aber bis sie wieder ganz die Alte war und wir uns auf die neue Aufgabe eingestellt hatten, dauerte es doch.


Endlich der „richtige“ Wurf
Und so warteten wir wieder. Der nächste Wurf sollte mit Sola (Royal Williwaw's Beam of a Solarstorm) und Gentleman (Bua Luang Real Gentleman) stattfinden. Mein Traumhund oder -hündin (dieses Mal war ich für beide Geschlechter offen) war entweder blau oder schwarz und so war das der perfekte Wurf. Alles klappte wie von der Züchterin geplant – Solas Bauch wurde immer größer und alle stellten sich auf einen Riesenwurf ein. 

Dann der erste Schock – nur zwei Welpen waren auf dem Ultraschall zu sehen. Mir fiel alles runter – ich war überzeugt, dass ich dann wieder nicht dabei sein würde und war so enttäuscht, weil ich mich schon so gefreut hatte – aber bei der Züchterin nachzufragen, traute ich mich auch nicht gleich. Schließlich fasste ich allen Mut zusammen und fragte nach – und tatsächlich sollte ich einen der beiden Welpen bekommen – weil ich beim letzten Mal nicht dabei war. 

Ein paar Tage später, die Nachricht – es geht los, sie frisst weniger, die Temperatur sinkt und dann die Milchbildung beginnt. Dann die Wehen beginnen. Dann langes Warten, die Stunden vergehen, es kommt keine Meldung.
Dann erst in der Früh des 19.6.2023, nach einer schlaflosen Nacht – ZUERST die Schocknachricht – Sola musste per Kaiserschnitt entbinden – ABER sie hat zwei gesunde Mädchen auf die Welt gebracht, beide schwarz. Und am Abend war mir klar, dass „Scheitelchen“, weil sie damals schon eine Runzelstirn mit Mittelscheitel hatte, ist mein Hund und würde so Gott will Elektra heißen. Das teilte ich der Züchterin am Abend des 19.6. mit. Danach kamen viele wunderbare Fotos von Sola und den Babies sowie das bange Warten, ob sich Scheitelchen denn auch für mich entscheiden würde. Unten ein Foto von Sola, der tapferen Hundemama, mit Elektra und Siya vom Tag der Geburt aus dem Royal Williwaw's WhatsApp Chat:


Einen Monat später war es schließlich soweit – ich machte mich auf Richtung Stuttgart, um Scheitelchen kennenzulernen. Dort begrüßten mich Nina und ihr Mann und wir gingen zuerst noch eine Runde mit den Hunden. Als wir zurück waren, vergaß ich vor lauter Aufregung nach den Kleinen zu fragen – bis sie mich fragte, ob ich sie kennenlernen wollte. Klar wollte ich. Die beiden düsten heraus und wuselten erst durch den Garten, während wir uns auf den Boden setzten. Siya war damals schon die Mutigere und hat mich gleich kurz begrüßt, während Elektra ihrer Wege ging. Dann plötzlich, wir waren mitten im Gespräch, klettert ein kleines Zwergi auf meinen Schoß, wuchtet sich herum und nimmt Augenschein von mir. Ich war völlig perplex. 


Die ganze Zeit über dachte ich, dass es Siya war. Nina fragte mich dann, ob ich jetzt den Hund wolle. Meine Antwort war dann, das war grad total lieb, aber ich würde trotzdem bei Elektra bleiben, woraufhin sie mich verwirrt anschaut und meint, das war Elektra. Naja und damit war klar – nicht nur ich hatte mich für sie, sondern der Zwerg hatte sich auch für mich entschieden.


8 Wochen – der geplante Umzug
….denkste. Denn mittlerweile hatten die Gesetze sich verändert und man benötigte einen Bescheid, um die Hunde mit 8 Wochen über die Grenze zu holen. Ich hatte mich lange im Vornherein bei der zuständigen Behörde erkundigt, was wir alles brauchen würden und bereitete alles vor. Naja trotz aller Vorbereitung sowie Einreichung aller Unterlagen verzögerte sich leider alles und war mit Unmut und Frustration verbunden. 
Ein Lichtblick in dieser Zeit war, dass genau, als ich so verzweifelt auf diesen Bescheid wartete, plötzlich Bantu (Thaigermoon Bantu Heart), der Thailand Ridgeback durch den ich überhaupt zu der Rasse gefunden hatte, wieder auftauchte. Dieses Mal mit seinem Herrchen, da durfte ich dann schon voller Stolz erzählen, dass ich gerade darauf wartete meine eigene Thailand Ridgeback Hündin abzuholen. Bantu hat mich gleich wieder erkannt und kam zu mir – so als wären wir alte Freunde, was mich sehr gefreut hat. Wieder plauderten wir etwas und er erzählte mir etwas über ihre Erfahrungen mit dieser Rasse. Leider habe ich die Drei seitdem nicht mehr wiedergesehen.
Dann endlich wurde der Bescheid genehmigt. Und mit 9 ½ Wochen durfte ich mich schließlich wieder auf den Weg Richtung Stuttgart machen und Elektra abholen. Ich kam hin, die Züchterin war deutlich genervt von dem ganzen Hin und Her wegen dem Bescheid, aber ich konnte Elektra in die Arme schließen bzw. kam die kleine Dame wieder zu mir und war irgendwie eindeutig bereit mit mir zu kommen. Wir gingen alle gemeinsam zum Auto, Royal Williwaw’s Halong’s Eyecatcher Electra (eigentlich hätte sie Royal Williwaw’s Halong’s Spirit Electra heißen sollen, aber da leider Royal Williwaw’s Blue Eyecatcher Bussi in Elektras Welpenzeit verstorben ist, bat mich die Züchterin um den Gefallen den Namen in Bussis Ehren zu ändern, den ich ihr gerne tat), ließ sich von mir auf den Beifahrersitz heben und los ging die Fahrt – mit Elektra bei mir am Schoß. (Keine Sorge, wie sind nur so aus dem Parkplatz gerollt, danach setzte sie sich wieder brav auf den Beifahrersitz.)


Dabei möchte ich noch erwähnen, dass mir die Überbringung mit 8 Wochen deswegen so wichtig war, weil ich damals schon wusste, dass ich Elektra zur Therapiehündin ausbilden möchte und spürte, dass nur in der Sozialisationsphase die Beziehung zwischen Elektra und mir ausreichend fest werden kann, dass das gelingen kann. Außerdem wollte ich sie in dieser so wichtigen Phase schon an die Praxis gewöhnen, wo sie in weiterer Folge auch in einer Art sicheren Raum Menschenbegegnungen (kennen-)lernen sollte. Ich glaube, dass die Sozialisationsphase ein wichtiger Punkt ist, der bei den neuen Gesetzen nicht ausreichend durchdacht worden ist – und auch wenn ich diese Regelung in Fällen verstehen kann, wo einfach nicht genau nachvollzogen werden kann, ob ein Hund mit Tollwut oder anderen Krankheiten in Kontakt kam, finde ich sollte es bei nachweislicher Tollwutunbedenklichkeit sowie Kenntnis der Vorgeschichte einen leichteren und vor allem schneller realisierbareren Weg geben, einen Hund über die Grenze zu bringen, da so etwas für das Scheitern oder Gelingen eines solchen Vorhabens essentiell ist.




Zurück zu TR-Startseite
 
 
 
E-Mail
Anruf