Mag. Marlene Kaes Bakk.techn.
Praxis für Klinische und Gesundheitspsychologie, Psychotherapie, Supervision und Coaching

Der Thailand Ridgeback (Mah Thai)


FCI-Gruppe 5 - Spitze und Hunde vom Urtyp; Sektion 7 – Urtyp – Hunde zur jagdlichen Verwendung (ohne Arbeitsprüfung)


Daten und Fakten
Größe (Widerristhöhe) jeweils +/- 2,5 cm

  • Weibchen: 51-56 cm
  • Männchen: 56-62 cm


Gewicht

  • Weibchen: 16-25 kg
  • Männchen: 23-34 kg 
  • (Angaben unterscheiden sich beim Mindestgewicht)


Farben 

  • schwarz
  • rot
  • blau
  • isabella

Farbvererbung finde ich ein sehr spannendes Thema: Zu den vier Farben gibt es dann noch verschiedene Felltypen und Maskenfarben. Hier gehe ich nur die Basic Farbvererbung ein. Die vier Farben setzen sich aus Schwarz dominant (B), rot (b), delute (d), nicht delute (D) zusammen, wobei delute der Aufhellungsfaktor ist, der für die helleren Farbversionen (blau und isabella) verantwortlich ist – dabei scheint des d1 und d2 zu geben, wobei eines der beiden mit Krankheiten in Verbindung zu stehen scheint.
Die Eltern geben jeweils eine Farb- (B,b) und ein Delute (D,d) Gen an einen Welpen weiter.
Ein Hund kann folgende Kombinationen haben:

  • BBDD Schwarz
  • BbDD=bBDD Schwarz
  • BbDd=BbdD Schwarz
  • BBDd=BBdD Schwarz
  • Bbdd=bBdd Blau
  • BBdd Blau
  • bbDD rot
  • bbdD=bbDd rot
  • bbdd isabella


Lebenserwartung: 12-14 Jahre


Verwendung: Jagd- und Begleithund (ursprünglich in Thailand auch als Wachhund eingesetzt)


Ridge: ein eigentlicher Gendefekt, der zum Rassekennzeichen wurde – es gibt beim Thailand Ridgeback 8 anerkannte Ridgeformen (Eine genetische Verwandtschaft mit dem Rhodesian Ridgeback konnte nicht nachgewiesen werden.)


Geschichte des Thailand Ridgebacks (TR)
Über die Geschichte ist nicht viel bekannt. Erste Aufzeichnungen gehen ca. 350 Jahre zurück. Wie der Name schon sagt, stammt der TR aus dem Osten von Thailand. Da der Osten relativ abgeschieden war, blieb die Rasse über lange Zeit im Urzustand und wurde nicht mit anderen Rassen gekreuzt. Er wurde sowohl als Wachhund sowie Fuhrwerksbegleithund eingesetzt – wie mir zu Ohren kam, ging er in diesem Zusammenhang auch jagen, allerdings diente dies vorwiegend der Selbstversorgung.
Es wird angenommen, dass der Thailand Ridgeback von den Pariahunden abstammt.


Der Japanische Kennel Club (JKC) erstellte 1990 den ersten offiziellen Rassestandart. Außerhalb Thailands wurde der TR erst in den 1980er und 1990er Jahren bekannt.
1993 erfolgte eine vorläufige Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI). Die endgültige Anerkennung folgte schließlich im Jahr 2003.


Verwendung
Der Thailand Ridgeback ist ein Sichtjäger, aufmerksam, schnell und wendig, sehr trittsicher in schwierigstem Gelände und hat ein hervorragendes Sprungvermögen. Im FCI-Rassestandard wird er auch als robust und lebhaft beschrieben, ebenso wie als treuer Familienhund. Ursprünglich wurde die Rasse  als Wachhund und Begleiter der Fuhrwerke eingesetzt - immer wieder steht dann auch dabei neben der Jagd, also dürften sie schon auch jagdlich geführt worden sein– (heute) allerdings ohne Arbeitsprüfung.


Charakter & daraus resultierendes Training
Der Thailand Ridgeback ist für seinen starken und unabhängigen Charakter bekannt. Er ist intelligent und zeigt eine ausgeprägte Loyalität gegenüber seinen Bezugspersonen. Menschen gegenüber können sie eher scheu sein und brauchen deswegen spezifisches Training, um in sozialen Situationen sicher, selbstbewusst und gut führbar zu sein. Sie bewachen, was bzw. wer ihnen lieb und teuer ist, was man bei der Erziehung beachten muss. Mit ruhiger Konsequenz kann man ihn gut führen - wenn die Beziehung passt. Je mehr Druck man ausübt, desto eher zeigen sie ihren Protest. Für mich ist der TR ein Freund, der einen eigenen Kopf hat, aber auch intelligent genug ist, um lernen zu können, dass der Mensch sich in der Menschenwelt besser auskennt, während der Mensch akzeptieren muss, dass sie in der Hundewelt besser Bescheid wissen bzw. gerne beobachten und zu manch spannendem Schluss kommen, der unsereins noch etwas lehren kann (manchmal auch nicht). Wenn wir uns auf diese Beziehung einlassen und ihr Handeln zu verstehen versuchen, fördern sie uns, so wie wir sie fördern können. Sie arbeiten gerne und wollen gut sein, aber man muss ihnen auch den Raum lassen, dass sie die ihnen gestellten Aufgaben verstehen und dann auf ihre Art umsetzen können. Sie haben teils eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, deswegen sollten vor allem je jünger der TR auch die Trainingseinheiten kürzer gestaltet sein, um unnötige Frustration auf beiden Seiten zu vermeiden, gepaart mit vielen Wiederholungen. Wenn ein TR etwas wirklich gar nicht will, sollte ich mich auch fragen, ob das nun wirklich so wichtig ist – vielleicht geht es später, vielleicht spielt es auch nie eine Rolle (z.B. Elektra weigert sich bis heute einen Stock zu tragen, wenn ich es ihr gebe. Dafür trägt sie dann oft freiwillig einen Stock ein Stück des Weges. Ist das für uns essentiell? Nein. Deswegen probiere ich es immer wieder und lasse es, wenn sie nicht will. Könnte ich sie dazu zwingen? Sicher, aber wozu? Damit ich meinen Willen bekomme – mich nicht als Versager fühle, nur weil ich mich nicht durchgesetzt habe? Da gehen sicher die Meinungen auseinander, aber einen Freund würde ich niemals zu etwas zwingen – außer es ist überlebenswichtig – und da ich denke, sie kann auch ohne unfreiwillig einen Stock zu tragen durchs Leben kommen, lasse ich es. ;))

Man sollte schon im Welpenalter mit dem Training beginnen - hauptsächlich zuerst mit der Beziehungsarbeit und kleinen Trainingseinheiten.


Hundesport
Mir fällt kein Sport ein, den der TR nicht könnte - wenn man die Besonderheit beachtet, ihnen ihren Willen zu lassen. Elektra und ich gehen gerne wandern und mantrailen, trainieren regelmäßig und machen auch andere Spiele, die man zwischendurch abhalten kann. Wir haben uns im Begleithundekurs versucht – sie kann alle Übungen – hat aber am meisten Freude ohne Leine über die Wiese zu düsen, aber andere haben auch das geschafft. Ich werde es vermutlich nicht weiterverfolgen, da Elektra der Druck nur stresst und sich das negativ auf ihr Verhalten auswirkt. Wer einen vorwiegend gehorsamen Hund will, der sollte sich meines Erachtens für eine andere Rasse entscheiden. Der TR macht und kann diese Dinge dann, wenn er sich dafür entscheidet – oder eben auch nicht. ;)
Andere Optionen, die wir beide allerdings (noch) nicht machen, sind Agility, Canicross, Obedience, Hoopers,… wie gesagt, mir fällt eigentlich nichts ein, wo ich den TR per se von vornherein ausschließen würde. Probieren und alles was die Beziehung festigt – unbedingt weiterverfolgen.

Gesundheit
Bekannte Probleme sind der Dermoid Sinus (DS) und die Hüftdysplasie – sollte beides von einem guten Züchter abgeklärt werden – HD bei den Elterntieren, DS in den ersten Wochen der neugeborenen Welpen.
Elektra hatte sehr früh schon Probleme mit der Haut – eine Dermatitis. Letzten Endes hat sich herausgestellt, dass sie eine Lebensmittelallergie hat sowie die Zeckenkrankheit Anaplasmose. Letztere kann aber gut mit Antibiotika behandelt werden. Sie bleibt zwar im Blut nachweisbar, ist aber nicht ansteckend und der Erreger wird durch die Medikamente  inaktiv gesetzt und sie kann ein völlig normales Leben führen. Dies hat also nichts mit der Rasse zu tun, es war mir aber dennoch wichtig das hinzuschreiben, da viele von dieser Zeckenkrankheit noch nie gehört hatten, sie unbehandelt jedoch zum Tod führen kann.



Meine Erfahrungen mit der Rasse

Wie man obigen Worten schon erkennen kann, habe ich durchwegs positive Erfahrungen mit der Rasse gemacht. Als ich mich zum ersten Mal damit auseinandergesetzt habe, ging mir durch den Kopf, die sind wie Katzen, aber in Hundeform – also genau das, was ich als bisheriger bekennender Katzenmensch für mich ausgesucht hätte.

  • Beziehungsaufbau/Bindungsaufbau: Meines Erachtens überhaupt das Wichtigste bei dieser Hunderasse. Elektra musste lernen, dass ich da bin, dass sie sich auf mich verlassen kann und dass sie mich manchmal auch braucht – auch wenn sie das bis heute natürlich niemals zugeben würde. Genauso, wie ich lernen musste mich auf ihre Welt einzustellen, ihre Sprache zu verstehen und sie lesen zu lernen. Dies lässt sich gut aus der Geschichte der TR herauslesen – sie haben in den Genen diesen Ausschluss aus der Gesellschaft – gelernt allein zu leben und nun sollen sie einem Menschen blind folgen (wer würde das?) aber um so wertvoller ist es das Vertrauen eines solchen Hundes zu gewinnen und zu sehen, wie er sich freiwillig zum Folgen entscheidet. Es ist die Basis, damit das Training gelingen kann.
  • Angstphasen: In den ersten Jahren durchläuft der TR immer wieder Phasen, wo er Ängste vor bestimmten Situationen oder Dingen entwickelt. Dies können durchaus auch Situationen oder Dinge sein, die ihm zuvor keine Angst machten. Die Züchterin machte mich beim Kennenlernspaziergang bereits darauf aufmerksam und ich war sehr dankbar für diesen Hinweis. Sie meinte, das sind die Phasen, wo du sie durchbringen musste. Wieder eine Sache, die in der Entwicklung von Kindern sehr ähnlich abläuft. Die wichtige Unterscheidung ist immer – befindet sich jemand in einer realen Gefahr oder nicht. Bei einer realen Gefahr macht es Sinn Angst zu haben, vorsichtig zu sein und gegebenenfalls mit einer Tätigkeit aufzuhören. Wenn aber keine reale Gefahr besteht, dann wird die Angst nur größer, wenn man es nicht schafft, den Mut zu finden, durch die Angst durchzugehen. Ein Beispiel: Elektra hatte plötzlich Angst vor grünen Tonnen. Sicher man kann ihnen ausweichen, aber auf Dauer wäre das mühsam. Also bin ich hin, habe mich dagegen gelehnt und gewartet bis sie auch den Mut fand hinzugehen und festzustellen, dass sie nicht beißt. Meistens bellt sie dann das Objekt der Angst an, zeigt Drohgebärden und wenn man es nicht weiß, interpretiert man die Situation vielleicht falsch. So aber konnte sie lernen, dass grüne Tonnen tendentiell nicht beißen.
  • Aufgabenlösungen: Es ist eine intelligente und selbstständige Rasse, die gerne lernt, so lange es von sich aus ist und nicht erzwungen. Meiner Erfahrung nach wird Elektra, je mehr Druck oder Zwang ausgeübt wird, gestresster und schaltet anderswo in Verteidigungsmodus. Sie will auf Aufgaben alleine draufkommen und wenn sie mal wo nicht weiterkommt, dann überlegt sie sich Alternativen. Beispiele:
  1. Sie liebt Katzen, will jede begrüßen, allerdings haben die meisten (warum nur?) Angst vor ihr. Jetzt hat sie herausgefunden, dass Stock/Spieli ja ein Zeichen von Spiel ist. Als nun also die Nachbarkatze am Gartenzaun vorbei ging, schnappte sie sich ihr Spieli und rannte damit zum Zaun. Die Katze ist trotzdem weitergegangen, aber allein, dass sie das geschafft hat, fand ich faszinierend. Vor kurzem waren wir spazieren und sie begegnete einem Hund. Wie es so ihre Manier ist, stürmt sie dann (in spielerischer Absicht) auf den anderen los mit einem Art Kampfschrei – der eher klingt, als würde sie den anderen töten wollen. Ich habe versucht sie darauf Aufmerksam zu machen, aber sie hat mir lange nicht geglaubt, bei besagtem Spaziergang hat sie sich dann einen Stock geschnappt und ist damit zu dem potentiellen Spielgefährten hin. Der (ebenso wie die Besitzer) war(en) nach dem Kampfschrei leider schon panisch, aber nun… der Wille zählt.
  2. Unser Problemgebiet ist der Rückruf unter Ablenkung. Natürlich versuchen wir das speziell zu trainieren. Da Elektra es gar nicht mag, wenn ich mich von ihr entferne, war die Idee, dass ich mich verstecke, wenn sie beim Rückruf nicht zurückkommt. Das funktioniert in freier Natur. Also habe ich es auf der Hundewiese, als wir beide alleine waren, versucht. Gesagt getan, ich versuche den Rückruf – Elektra kommt… nicht. Ich verstecke mich. Elektra schaut und stellt sich dann zum Ausgang – weil sie natürlich weiß, dass ich nur durch den Ausgang die Hundewiese verlassen kann. Sie sieht keine Notwendigkeit, also erübrigt sich der Befehl für sie – diese Selbstständigkeit meine ich bei dieser Rasse.
  • Spiegelung. Meines Erachtens ist der TR ein Meister des Spiegelns. Natürlich auch in Elektras und meiner Beziehung, wodurch ich vieles über mich selbst lerne, aber auch bei KlientInnen erfasst sie die Stimmung oft unglaublich schnell. Bei zum Beispiel Ängsten und Stress spiegelt sie das durch Bellen (ob das hilfreich ist, sei dahingestellt). Stimmungsabfall und Trauer - in dem sie sich still zu jemandem hinstellt. Wie Bantu hat auch sie die Fähigkeit die Stimmung eines Menschen zu erfassen und darauf zu reagieren – vielleicht hat das jeder Hund. Sie macht das durch ein ruhige, beobachtende Art und Weise – so als wüssten sie etwas, was wir (noch) nicht wissen und zeigt mir das in der Arbeit mittlerweile auch an.
  • Geländetauglichkeit: immer wieder aufs Neue wirklich überraschend. Elektra erklettert Leitern, Felsen und hat keinerlei Höhenangst.
  • Impulskontrolle: Elektra kann ihre Impulse unter Befehl sehr gut kontrollieren. Wenn ich sie zum Essen setze, kann ich das Zimmer verlassen und sie würde es nicht anrühren, wenn ich sie nicht freigebe. Wenn sie allerdings nicht unter Befehl steht, macht sie das nicht. Dann würde sie einfach fressen, würde bei jedem Hund selbst entscheiden, wie sie jetzt auf diesen Hund reagieren möchte und eben das ihr richtig erscheinende Verhalten an den Tag legen. Das Einzige was wirklich selbstständig von ihr kommt, ist dass sie an Menschen vorbeigeht – meistens jedenfalls, manchmal muss sie dann schon ein bisschen nachschnüffeln, wenn sie an ihnen vorbei ist.
  • Niedrige Reizschwelle/Sensibilität: Ganz entsprechend ihrer Jagdhund Genetik ist ihre Reizschwelle sehr niedrig. Das hilft ihr in der Arbeit als TGI-Begleithündin. Sie erspürt Stimmungsumschwünge lange bevor ich das kann. Dies ist aber in freier Wildbahn mit entsprechender Unruhe verbunden. Das heißt aber auch hier braucht es extra Training bzw. Momente des Innehaltens, damit sich der TR ein Bild der Umgebung machen bzw. zur Ruhe kommen kann, wenn im Außen viel Lärm und Bewegung ist.
  • Reaktion anderer Hunde: Was ich eine sehr spannende Beobachtung fand ist die Reaktion anderer Hunde auf Elektra. Während sie auf andere Hunde völlig normal reagierten, schienen sie bei ihr sofort auf der Hut zu sein bzw. auch in Verteidigung- oder gar Angriffshaltung zu gehen. Dann betrachtete ich ihr Äußeres genauer und stellte fest, dass einige ihrer körperlichen Merkmale, wie der Ridge, die aufgestellten Ohren, auch die gerunzelte Stirn, als Aggression fehlinterpretiert werden können. Ich glaube, dass es wichtig ist, sich das bewusst zu machen, um Konflikten vorbeugen zu können, aber auch den Hunden eine Welt zu ersparen in der jeder auf sie losgehen möchte.

Dies erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll nur die Möglichkeit bieten ein bisschen an meinen Erfahrung teilzuhaben und möglicherweise den Einen oder die Andere bei der gemeinsamen Zeit mit dem eigenen Hund unterstützen.


Quelle: Google-Suche „Thailand Ridgeback“ sowie aus Gesprächen und Erfahrungen erworbenes Wissen.


Weiterführende Links, die Thailand Ridgebacks und andere exotische Rassehunde - aufgrund derzeitiger Situation vor allem die Nackthunde - betreffend:


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